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Offenheit im Beruf

Muss ich meinem Arbeitgeber mitteilen, dass ich Epilepsie habe?

Viele Epilepsiekranke sind unsicher, ob sie ihre Krankheit dem Arbeitgeber mitteilen müssen. Und wenn man sich dazu entschließt, sie anzugeben: Sollte die Erkrankung im Bewerbungsschreiben oder erst im Vorstellungsgespräch erwähnt werden? Nicht zu Unrecht besteht die Befürchtung, allein die Erwähnung der Krankheit könne zur Ablehnung führen, oder der Arbeitgeber könne das Arbeitsverhältnis auflösen. In diesem Zusammenhang kann davon abgeraten werden, eine Krankheit bereits im Bewerbungsanschreiben zu erwähnen.

Befindet man sich im Vorstellungsgespräch mit dem zukünftigen Arbeitgeber, gibt es, je nach Sachverhalt, folgende Empfehlungen:

Arbeitgeber fragt nach Krankheiten:

Sie haben noch Anfälle

werden Sie im Einstellungsfragebogen oder beim Einstellungsgespräch direkt nach Krankheiten gefragt, müssen Sie die Epilepsie nur dann offenbaren, wenn trotz medikamentöser Behandlung Ihre Anfälle die Eignung für die vorgesehene Tätigkeit erheblich beeinträchtigen, z. B. durch Fremd-/Selbstgefährdung, mögliche finanzielle Verluste durch Fehlprogrammierungen usw.

Anfälle, die ohne Auswirkungen auf die vorgesehene Tätigkeit sind, müssen im Vorstellungsgespräch oder im Personalfragebogen nicht angegeben werden. Zur groben Orientierung können Sie folgende Regel heranziehen: Die Gefährdung am Arbeitsplatz darf nicht größer sein als in der häuslichen Umgebung. Danach brauchen Sie Ihre Epilepsie in der Regel nicht anzugeben:

- bei einfach fokalen Anfällen, die keine Bewusstseinsstörung und keine motorische, sensorische oder kognitive Behinderung zur Folge haben und bei denen keine Ausdehnung der Anfallssymptomatik und kein Übergang zu komplex-fokalen oder generalisierten Anfällen gegeben ist;

- bei ausschließlich an den Schlaf gebundenen Anfällen nach mindestens dreijähriger Beobachtungszeit;

- wenn die Anfälle strikt an bestimmte Bedingungen geknüpft sind - wie z. B. an Schlafentzug, Alkoholkonsum oder akute Erkrankung (z. B. Fieber) und diese Bedingungen nicht mehr bestehen, so dass Anfälle am Arbeitsplatz sehr unwahrscheinlich sind. In solchen Fällen ist das Gefährdungsrisiko in der Regel so gering, dass man nicht von einer fehlenden Eignung für die meisten Tätigkeiten sprechen kann.

Allerdings gibt es Ausnahmen bei besonders gefährlichen Tätigkeiten. Wenn Sie sich zum Beispiel als LKW-Fahrer, Kranführer, Gerüstbauer oder für eine andere ähnliche Tätigkeit bewerben, müssen Sie bereits fünf Jahre ohne Medikamente anfallsfrei sein.

Sie sind anfallsfrei

Die Epilepsie muss nicht angegeben werden, wenn langfristig Anfallsfreiheit besteht. "Langfristige Anfallsfreiheit" bedeutet, dass man zwei Jahre lang anfallsfrei ist.

Der Arbeitgeber fragt nicht nach Krankheiten

Auch wenn der Arbeitgeber nicht nach Krankheiten fragt, müssen Sie die Epilepsie angeben, wenn vorauszusehen ist, dass die Ausübung der in Aussicht gestellten Tätigkeit wegen der Epilepsie erheblich eingeschränkt oder gar unmöglich ist. Sie müssen dem Arbeitgeber aber nur solche Krankheitsinformationen geben, die im Hinblick auf die ausgeübten Tätigkeiten bedeutsam sind. Dass bedeutet, der Begriff „Epilepsie“ muss nicht genannt werden, wenn man es nicht möchte. Die zu erwartende Einschränkung kann durch andere Begriffe umschrieben werden.

Außerdem sollten Sie Ihren Arbeitgeber über Ihre Krankheit informieren, falls die Anfälle, die Nebenwirkungen der Medikamente oder andere im Zusammenhang mit der Epilepsie auftretenden Störungen (z. B. ausgeprägte Gedächtnis- oder Konzentrationsstörungen) die Arbeitsleistung und das Unfallrisiko erheblich beeinflussen.


Was sage ich meinen Arbeitskollegen?

Oft trauen sich Betroffene nicht, ihren Kollegen gegenüber ihre Situation offen anzusprechen. Sie fürchten sich vor Vorurteilen. Sie erwarten, für "nicht normal" oder "verrückt" gehalten zu werden. Dies schafft Verunsicherung, manchmal sogar Angst und Misstrauen. Auch bei Ihren Kollegen kann es dadurch zu Verunsicherungen kommen. Die Kollegen wissen nicht, wie sie auf einen Anfall reagieren sollen und im Anfall helfen können. Dabei ist es wichtig, je nach Anfallshäufigkeit und -Art beteiligte Personen zu informieren. Wer häufiger Anfälle hat, sollte daher die direkten Arbeitskollegen informieren, auch um zum richtigen Zeitpunkt die richtige Hilfe zu erhalten.
Nicht wenige Anfallskranke verschweigen ihre Erkrankung, bis es irgendwann einmal zufällig zu einem Anfall kommt. Dann ist es oft viel schwieriger, über die Anfälle zu sprechen.

Mehr dazu unter http://www.epilepsie-gut-behandeln.de


Schwerbehinderung

Informationen zum Thema "Schwerbehinderung finden Sie auch auf der Seite "Epilesie im Alltag/Schwerbehinderung".